Sind die Ostauswanderer Mitschuld am Rechtsruck in Ostdeutschland?
Nein, die Nazi-Ossis sind ganz alleine für ihre Einstellung verantwortlich.
Sind die Ostauswanderer Mitschuld am Rechtsruck in Ostdeutschland?
Nein, die Nazi-Ossis sind ganz alleine für ihre Einstellung verantwortlich.
Es gibt vielleicht Gründe warum Menschen im Osten besonders unzufrieden sind, aber dafür deshalb Nazi zu werden ist niemand verantwortlich außer die Nazis selbst. Und Menschen die kein Bock haben umgeben von Nazis zu sein kann man es auch nicht verübeln da abzuhauen. Sonst könnte man genauso gut Wessis die Schuld geben, weil die kein Bock haben da hin zu ziehen.
Abstand von meiner "lieben Familie"
Selbstschutz ist wichtig, das macht dich nicht schuldig.
Sicher hätte die afd schlechtere Werte wenn weniger junge Leute abgewandert wären. Es liegt aber nicht am Individuum einen hoffnungslosen permanenten Kampf gegen Windmühlen ertragen zu müssen, der wahrscheinlich eh nur das Gegenteil vom gewünschten Effekt erzeugt. Mach was nötig ist um dich entfalten zu können, du schuldest keinem Ossi was und dem Land schon gar nicht nur weil du da geboren wurdest
Dem einzelnen "Auswanderer" (eher Abwanderer oder?) kann man keine Schuld geben. Das Problem ist viel eher die Massenabwanderung, oder das, was zur Massenabwanderung geführt hat.
Aus größerer Flughöhe betrachtet: Ja. Wären mehr weltoffene Menschen im Osten geblieben hätten die Nazis sich nicht so etablieren können. Gleichzeitig bin ich überzeugt, die ursprüngliche Schuld tragen andere. Hätten die Menschen vor Ort Perspektiven gehabt wären sie nicht gegangen, denke ich. Je mehr ich über die Treuhand und die Abwicklung der DDR lese, desto mehr bin ich überzeugt, dass kurzfristige Gewinngier uns langfristig geschadet hat.
Die frühen 90ger waren wahrscheinlich eines der ungünstigsten Jahrzehnte der letzten 100 Jahre für die Wiedervereinigung.
Der ganze neoliberale Reaganism und Thatcherism hatte gerade (West)deutschland erreicht und sich dran gemacht, die dort gewachsenen Strukturen der sozialen Marktwirtschaft zu zerstören.
Die DDR ist mit dem Eintritt in die BRD von einer halbwegs funktionierenden (für die Mehrheit haltgebenden und versorgenden) autoritären sozialistischen Organisationsstruktur mitten in diese existentiell bedrohliche Krise geschlittert.
Wenn sie gekonnt hätte, hätten Honecker und seine Freunde das mit der DDR bestimmt gerne noch ein paar Jahre/Jahrzehnte/.. länger gemacht...
Hätte ich einen Rostocker statt Badener kennen gelernt, würde ich dort dann gegen rechts kämpfen?!
Als linksgrünversiffter Rostocker sage ich mal pauschal: Ja. :D
Und zum Thema: Nein. Jeder wählt was er selbst für richtig hält. Und wer unbedingt strammer Fascho sein will, würde das auch wollen wenn hier mehr Menschen leben würden. Wir können aber mit Protesten vielleicht noch die Leute abholen, die aus anderen Gründen als Ausländerhass zur AfD übergelaufen sind. Ich glaube, dass viele hier im Osten diese Partei wählen, weil es ihnen mitten in der Rezession richtig scheiße geht, sie sich vom Staat verlassen fühlen und es sich leicht gemacht haben, die Grünen für diese Situation verantwortlich zu machen.
Die AfD verspricht einfache Lösungen für diese Probleme, die natürlich nie kommen werden. Ich hoffe, dass das noch viele Menschen bis zur nächsten Wahl realisieren werden.
Das glaub ich nicht. Nazi pro Kopf wird davon wahrscheinlich weniger betroffen sein. Zumal im Westen auch genug Nazis sind, die das aber hinter Zentralismus und Patriotismus verstecken. Sprich, nicht so offen damit hausieren oder erst gar nicht einordnen können was rechts-konservativ eigentlich ist. Geh mal in ein beliebiges Kaff nach Franken z.B. 🤷
Nein. Wenn du jemandem die Schuld geben willst, dann darfst du dich halt bei den gewalttätigen Nazis, völlig versagender Polizei und irgendwie auch den örtlichen Eliten bedanken. Wenn du halt damit rechnen musst, dass du auf dem Dorffest verprügelt wirst und die Polizei wenig dagegen tut, dann ist wegziehen die einzig vernünftige Lösung. Das ist dann so eine Crab Bucket-Situation, wo sich eine Gegend in eine Abwärtsspirale begibt, einfach weil alle, die etwas verändern könnten, massiv eingeschüchtert und vertrieben werden.
Oder anders gesagt: Nazis spielen nicht fair und Gewalt ist immer eine Komponente davon. Natürlich kann man mit Gewalt und Bedrohung eine Zivilgesellschaft zerstören und genau das passiert auch.
Es sind nicht nur einfach "Leute" aus dem Osten weggegangen, am Anfang gingen vor allem Frauen (inzwischen sind es mehr Männer):
https://www.nzz.ch/international/europaweit-hoechster-frauenmangel-in-ostdeutschland-ld.1709243
«In Westdeutschland kann man anhand der wirtschaftlichen Lage den Anteil von AfD-Wählern abschätzen, in Ostdeutschland anhand der demografischen Lage»
Die progressiven Menschen, die geblieben sind, hat es in die Städte gezogen. Was bleibt ist eine überwiegend männlich geprägte und überalterte Landbevölkerung und natürlich fiel es auch den Hochqualifizierten leichter woanders Arbeit zu finden.
Schuld ist das falsche Wort. Halte ich es für logisch, dass die Menschen, die empfänglich für völkisches Naziblabla sind auch die, die weniger leichtfertig aus der Heimat weg ziehen? Ja
Ist das der einzige Auslöser? Nein
Ich würde das aber eher einen Nebeneffekt, der dazu beiträgt, nennen.
Es gibt ein soziologisches Model das das Ganze ganz gut beschreibt, komme aber gerade nicht auf den Name.
Nennt sich Braindrain. Junge, gut ausgebildete Erwachsene ziehen wohin wo sie bessere wirtschaftliche Aussichten haben. Je nachdem wo sie herkommen können auch politische Probleme und der Mangel an Sozialsystemen ausschlaggebend sein.
Das Phänomen stellt ein großes Problem für die Herkunft dar, weil volkswirtschaftlich die Leute gerade dann, nachdem das Land viel Geld in ihr Aufwachsen und ihre Ausbildung gesteckt hat, wegziehen, wenn sie zu Zahlern werden würden welche GDP und Steuereinnahmen steigern.
Das ganze gibt es international, wo Deutschland ein riesiger Nutznießer ist, aber auch national, so wie von Ost- nach Westdeutschland oder von roten US-Bundesstaaten zu blauen.
Man kann es den einzelnen aber auch nicht übel nehmen, weil sie halt für sich selber nach einer besseren Zukunft streben. Es ist ein schwieriges Problem welches keine einfachen Lösungen hat
Nee, das ist viel allgemeiner: jeder Mensch hat einen gewissen Grenzwert der Toleranz gegenüber Umständen in seiner Umgebung bis die Person sich entscheidet wegzuziehen (vereinfacht jetzt mal den ökonomischen Zustand kurz ausgeklammert). Wenn die Person dann wegzieht, verändert es oft den Grenzwert auf den Bezug für diesen Umstand für andere was zu einer Segregation nach bestimmten Merkmalen führt.
Vereinfacht gesagt: desto mehr liberale Menschen aus dem Osten wegziehen weil die sich da unwohl fühlen, desto mehr fühlen sich die übrig geblieben liberalen Menschen im Osten unwohl.
Mal gerade die politischen Ansichten der Leute zu Regierungsformen ausgeklammert ist es aber auch so dass Konservative (im traditionellen Sinne des Wortes; Leute die keine Veränderungen mögen) einfach die sind die übrig bleiben wenn eine Gegend unattraktiv wird und die Leute weg ziehen und dadurch allein schon eine Spirale nach unten bei der Attraktivität von allen Lebens-Aspekten entsteht weil die sich am wenigsten eingestehen dass es so nicht weiter gehen kann.
Ich habe schon sehr viele Ostdeutsche kennen gelernt, denen jede Form von rechtsradikalem Denken völlig fremd ist. Die waren aber alle im Westen. Ich denke, dass da schon was dran ist
Ist die AfD ein spezifisch ostdeutsches Problem? Klares Nein.
Gibt es spezifisch ostdeutsche Faktoren, wenn man Einkommen usw. Rausrechnet?
Wahrscheinlich ja.
Jetzt muss du dir überlegen, ob es besser gewesen wäre, wenn du vor Ort geblieben wärst, und vlt. mehr normale Ansichten auf die Straße gebracht hättest, dafür aber einer mehr gewesen wärst, der um Jobs, Wohnungen etc. Konkurriert hat, wo die Strukturfaktoren wieder wichtig wären.
Ich würde bei der Frage zu Nein tendieren.
Wie sehen denn die Zahlen derer aus die von West nach Ost gezogen sind? Vielleicht ist diese Menge einfach ortunabhängig?
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