Gunther von Hagens ist gestorben.

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[–] 5 points 4 hours ago

Eine Anekdote: Mein alter Anatomieprofessor hat mit von Hagens zusammengearbeitet und hat uns erzählt, dass dieser nach der Geburt seines Kindes fluchtartig mit der Plazenta den Kreissaal verlassen hat um damit zum Insitut zu rasen. Er wollte sie unbedingt plastinieren bevor sie Schaden nimmt. Ein großes Poster vom Ergebnis hing bei uns im Anatomiesaal. Ich finde die Geschichte sagt einem viel darüber, was für ein Typ das war.

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  • [–] 1 point 2 hours ago

    Es würde mich weniger stören, wenn sie nicht so extrem viel aufdringliche Werbung dafür machen würden. Teilweise klebt das echt an jeder Straßenecke. Wo hinschauen wo kein Plakat ist?

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  • [–] 21 points 9 hours ago (2 children)

    Ich kann absolut nicht verstehen warum Leute so dagegen sind. Dann geht halt nicht hin. Aber solange die Körper ethisch vernünftig besorgt werden, habe ich genau null Probleme damit.

    Als Schüler mal eine echte Rauchlunge und den Einfluss von starkem Übergewicht zu sehen, war sehr lehrreich. Ich kann einen Besuch nur empfehlen, solange man mit der Themtik klar kommt. Es ist sehr informativ.

    Und das er selbst zur Ausstellung beiträgt ist konsequent. Aber keine Ahnung wie sein Sohn damit umgeht. Das wäre dann doch etwas viel für mich persönlich.

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  • [–] 1 point 8 hours ago (1 child)

    Aber solange die Körper ethisch vernünftig besorgt werden,

    Ach, ist das denn inzwischen der Fall?

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  • [–] 3 points 8 hours ago* (2 children)

    Es wurden meines Wissens nach bei Körperwelten nur die Körper von deutschen freiwilligen Spendern verwendet. Die haben sogar eine Warteliste, weil ed zu viele Spender gibt. Aber ich bin da jetzt auch nicht felsenfest von überzeugt, also wenn du gegenteilige Beweise hast, dann immer her damit.

    Problemfälle hatte ich bei amerikanischen und chinesischen Pendants von gehört.

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  • [–] 1 point 2 hours ago (2 children)

    Es wurden meines Wissens nach bei Körperwelten nur die Körper von deutschen freiwilligen Spendern verwendet.

    Ach so, deshalb waren seine Fabriken in China? LOL

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  • [–] 0 points 31 minutes ago*

    Erstens, danke für den Hinweis, ich kannte nur seine späteren Arbeiten und bin jetzt durch Nachlesen auf Wikipedia auch deiner Meinung, dass Hagen mindestens in der Anfangsphase definitiv mit chinesischen Körpern gearbeitet hat, was auf alle Fälle diese Phase ethisch mehr als fragwürdig macht.

    Aber zweitens: ich habe dich gebeten mir Beweise zu geben, damit ich mir die angucken kann und du pöbelst hier nur rum. Auch keine besonders tolle Diskussionskultur.

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  • [–] 14 points 9 hours ago (2 children)

    Also, dass er selbst zum Plastinat werden will, halte ich für konsequent. Dass es seine Frau machen soll ... eher makaber.

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  • [–] 5 points 6 hours ago

    Ich bin nicht fürs Plastinieren. Ich will mir auch seine Ausstellungen nicht anschauen. Das ist eine emotionale und eher unreflektierte Position vermutlich. Aber es ist meine.

    Was seine Frau und er jetzt tun, zeigt mir wie sie das Plastinieren selbst bewerten. Wenn sie das an sich selbst und geliebten Menschen durchführen, dann hat es für die beiden wohl nichts Despektierliches und ist eher ein Zeichen von Wertschätzung. Dafür respektiere ich sie.

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  • [–] 10 points 9 hours ago (1 child)

    Kann den Artikel leider nicht lesen aber wenn sie beide für das Thema brennen, könnte es auch ein schöner Abschied sein. Das letzte Mal gemeinsam dem Hobby nachgehen oder so.

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  • [–] [S] 10 points 7 hours ago (1 child)

    www.tagesspiegel.de

    Ausstellungen „Körperwelten“: Von Hagens: Ein Leben zwischen Faszination und Ablehnung

    Der Tagesspiegel

    6 - 7 Minuten

    Der Tod war der ständige Begleiter des Leichenplastinators Gunther von Hagens. Durch seine Parkinson-Erkrankung rückte das Thema auch an ihn persönlich näher heran. Als er 2008 die Diagnose bekam, gab er sich selbst noch fünf Jahre Lebenszeit, wie von Hagens der Deutschen Presse-Agentur einmal kurz vor seinem 70. Geburtstag erzählte. „Jetzt bin ich mutiger. Mein Vater ist mit 98 noch sehr vital, er ist mein Vorbild. Wenn ich gut bin, halte ich bis 90 durch.“ 

    Doch am Freitag starb er im Alter von 81 Jahren, wie seine Familie in Heidelberg mitteilte. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. „Es war Gunther von Hagens’ eigener Wunsch, auch seinen Körper nach dem Tod der Plastination zur Verfügung zu stellen“, heißt es in einer Mitteilung. „Seine Angehörigen werden diesen Wunsch respektieren und ausführen.“

    Die moralische Debatte über seine Arbeit gehörte ebenso zum Leben von Gunther von Hagens wie die Faszination von Millionen Menschen für seine Exponate. Von Hagens entwickelte die Plastinationstechnik in den 1970er Jahren in Heidelberg, wo er 1993 das Institut für Plastination gründete. Seine „Körperwelten“ verstand er als Anatomieausstellung.

    Arbeit mit dem Tod veränderte seinen Blick auf das Leben

    Die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit des Menschen hatte einen prägenden Einfluss auf sein Leben, wie der Mediziner im Januar 2025 sagte. „Je älter ich werde, umso mehr empfinde ich das Leben als große Ausnahme und den Tod als das Normale. Letztlich ist es die Vergänglichkeit, die dem Leben überhaupt Bedeutung verleiht“, war von Hagens überzeugt.

    Wegen seiner Krankheit hatte er sich zuletzt weitestgehend aus dem Geschäft zurückgezogen. Von Hagens Frau Angelina Whalley fungierte schon seit längerem als seine Übersetzerin, da sein Sprachzentrum durch die Krankheit stark beeinträchtigt war. Er war seit Jahren kaum noch zu verstehen. Sein Sohn Rurik und seine Frau führen seine Arbeit fort. „Ich bin glücklich und stolz, meine Lebensarbeit in so guten Händen zu wissen“, sagte er.

    „Gunther wollte den Menschen den Blick unter die Haut ermöglichen – nicht aus Sensationslust, sondern aus der tiefen Überzeugung heraus, dass Wissen über den eigenen Körper zu einem bewussteren, gesünderen und verantwortungsvolleren Leben beitragen kann“, erklärte Whalley in der Mitteilung über den Tod. Er habe Millionen Menschen dazu gebracht, den eigenen Körper mit anderen Augen zu sehen. Sein Sohn sagte: „Mein Vater war ein Mensch, der nie akzeptierte, dass Grenzen unverrückbar sind.“ Er habe Anatomie aus dem geschlossenen Raum der Fachwelt in die Mitte der Gesellschaft gebracht.

    Ausstellungen sorgten für Kritik

    In der brandenburgischen Kleinstadt Guben werden die Plastinate seit 2006 in einer riesigen Werkstatt hergestellt - Besucher können das direkt mitverfolgen. Auch Tierkörper werden dort präpariert - 2017 ging zum Beispiel ein riesiges 300-Kilo-Blauwalherz an ein kanadisches Museum. Obwohl von Hagens Technik vor allem durch die „Körperwelten“ bekannt ist, werden mehr die meisten Präparate für Universitäten weltweit produziert, wie die Plastinate-Werkstatt in Guben 2016 mitteilte. 

    Die präparierten Toten posieren in den „Körperwelten“ in allen erdenklichen Positionen, mal als Basketballspieler, mal als Skateboarder oder Denker. Sie sind jung, alt, schwanger, krank oder gesund. Manche sind beim Sex zu sehen. Die Haut ist abgezogen, Muskeln und Nervenstränge sind gut sichtbar. 

    Nicht zuletzt die großen Kirchen lehnen diese Art der Zurschaustellung ab. Die evangelische Kirche spricht von einem würdelosen Umgang mit Verstorbenen. Die Städte Augsburg und Köln verboten von Hagens, eine Sexszene mit Leichen darzustellen.

    „Kontroversen sind ein Zeichen dafür, dass meine Arbeit die Menschen berührt, zum Nachdenken anregt und Diskussionen auslöst – genau das war von Anfang an mein Ziel“, sagte von Hagens einmal. 

    Leichnam soll zum Ausstellungsstück werden

    Er wird nun wohl selbst zum Plastinat werden. Als Erfinder der Plastination und Schöpfer der Ausstellung sei es für ihn nur konsequent, sich selbst dem Prozess zu unterziehen, sagte von Hagens der dpa. „Es ist eine Möglichkeit, meine Überzeugung und meine Lebensarbeit über meinen Tod hinaus fortzuführen“, erklärte er kurz vor seinem 80. Geburtstag.

    Bei der Plastination seiner Leiche soll seine Frau selbst Hand anlegen, so wünschte es sich von Hagens, der 1945 bei Posen (Poznan) im heutigen Polen geboren wurde. „Erst fand ich diese Vorstellung ganz schrecklich“, sagte Whalley damals. „Je länger ich aber darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich es als einen Liebesbeweis am Partner gesehen.“ Das müsse aber nicht sofort nach seinem Tod passieren. „Ein Jahr Zeit brauche ich schon vorher, solange ist er in der Kühltruhe.“

    Ehefrau: Er war schon immer anders

    Von Hagens Markenzeichen war stets sein Hut, den er so oft wie möglich trug - sogar zu Hause, wie seine Frau erzählte. „Die Anatomen trugen in der Renaissance einen Hut“, erläuterte Whalley. „Der Hut ist für ihn auch ein Symbol für das Selbstverständnis, anders zu sein.“ Und das sei er schon immer gewesen, nicht zuletzt wegen seiner Bluterkrankheit. „Er hat daraus gelernt, Kraft aus sich selbst zu schöpfen.“ Das habe ihm auch für andere Situationen Stärke gegeben. „Kaum jemand in der Anatomie hat ihn ernst genommen. Aber er brauchte das Schulterklopfen der Kollegen nicht.“

    © dpa-infocom, dpa:260727-930-444298/3

    Das ist eine Nachricht direkt aus dem dpa-Newskanal.

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