Julie (Natalia Belitski) lebt nur nach ihrem eigenen Grundsatz: Nichts tun.
Und mit NICHTS meint sie NICHTS: Sie studiert nicht, arbeitet nicht, sie hat keine Freunde. Sie will einfach nur stillstehen. Um sich dem „normalen“ Leben zu entziehen, lässt sich Julie regelmäßig in ihre psychiatrische Wunschklinik einweisen. Hier kennt man sie, hier weiß man, wie sie tickt. Dass Julie ohne Gummihandschuhe nicht aus dem Haus geht, oder notfalls auch mal ein Lama aus dem Zoo auf einen Rave entführt, wundert niemanden mehr. Man lässt sie in Ruhe. Das ändert sich schlagartig, als sie erfährt, dass ihr Erbe aufgebraucht ist und Agnes (Luisa-Céline Gaffron) in ihr Leben tritt: eine vermeintlich naive Krankenschwester und ihre neue Betreuerin, die stets bemüht ist, alles richtig zu machen.
Julie erkennt schnell, dass ihr bisheriges perfektes Nichtstun auf der Kippe steht.
Sie fasst einen folgenschweren Entschluss: Um weiterhin stillstehen zu können, muss sie sich bewegen.
Überforderung, Widerstand und das Ringen um Selbstbestimmung – Regisseurin Elisa Mishto lässt hier zwei ungleiche Frauen, die eine rebellisch, die andere pflichtbewusst, mit viel surrealer Situationskomik aufeinanderprallen. Herausgekommen ist eine eigenwillige psychologische Tragikomödie, die sich gegen die Logik des ständigen Funktionierens aufbäumt. Neben den beeindruckenden Hauptdarstellerinnen lässt auch der „Nebencast“ aufmerken: Katharina Schüttler, Martin Wuttke und Jürgen Vogel überraschen in klein, aber fein nuancierten Rollen.